Es ist zwar ein Weilchen her, aber ich finde es besteht immernoch Aufklärungsbedarf meinerseits:
Um etwa Mitternacht bewegte ich mich Richtung Bling. Ich habe mich eine Woche lang seelisch und physisch auf diesen Abend vorbereitet, denn es hiess, Kult lädt zum ersten Mal ins Bling ein, und da muss man, wenn man ich ist richtig Punkten, einfach bei allen.
Als ich vor dem Bling ankam, bildete sich bereits eine Schlange, fast bis zur Langstrasse gezogen, ganz Zürich war hier. Da keine Möglichkeit bestand sich irgendwo durchzuschmuggeln, musste ich mich hinten anstellen. Und wer stand da? Henryk Petro.
„Hi Petro!“
Henryk drehte sich um und starrte mich entsetzt an:„Nicht du schon wieder, Menderes, der sich als Wallraff alias Riegel verkleidet.“ Henryk schien seinen den Vorfall vom Kult-Casting noch nicht ganz verdaut zu haben.
„Nur die Ruhe! Ich bin’s, der echte einzig wahre Riegel.“
Henryk brauchte ein paar Sekunden, bis er mir zu glauben wagte. „Gut, es ist auch deine Stimme, Heutzutage kann man niemanden mehr trauen.“
„Komm runter, die Welt ist keine grosse Casting-Show. Aber wieso musst du denn anstehen? Jetzt wo du „offizieller“ Gast-Autor.“
„Der Alex hat wohl die Liste vergessen abzugeben.“ Wie sich später heraus stellte, war er den ganzen lieben langen Abend nicht aufgetaucht.
„Ein Witzbold ist er. Und der Türsteher hat dich nicht erkannt?“
„Wohl kaum. Wir erhalten ja nur einen winzigen Anteil des Kult-Autoren-Ruhmes. Wir sind halt nur so etwas wie die "1. Konkubinen" von Rainer“, Henryk grinste breit. Das war ein Insider der entstanden ist, als ich Henryk mal gefragt habe, ob nur noch die „offiziellen“ Kult-Autoren schreiben dürften.
Nach gefühlten drei Stunden und sechs Grippewellen hinter mir, standen wir endlich vor dem Eingang. Drinnen war die Stimmung am Kochen. Von hier aus sah man schöne Frauen am Tanzen, mit David Hungentobler natürlich. Dann erblickte ich noch Janine Yvette, die an der Bar mit etwa fünf Drinks auf einmal beschäftigt war und den Rainer ganz weit hinten, die Turntables am Rocken.
Henryk ist mir schon vorgeeilt und betrat das Bling. Als ich gerade auch die Türe durchqueren wollte, hielt mich der Türsteher auf: „Ausweis bitte!“
„Sorry?“
„Ausweis!“
Zögerlich zog ich meine ID aus meinem Portmonait und drückte sie dem Türsteher in die Hand.
„Für dich nicht! Erst ab 21.“
„Willst du mich verarschen?“
„Keines Wegs.“
„Ich kenn die ganze Bande persönlich, den Rainer, den Alex, den David, den Midi, sogar den zurückgezogenen Meyer. Und Petro…“ ich wollte ihn gerade zurück rufen, aber er war so schnell im Getummel abgetaucht, dass ich ihn aus den Augen verloren hab.
„Ist mir egal.“
„Was egal? Ich habe sogar schon fürs Kult geschrieben“, ich holte mein iPhone aus meiner Jacke ging ins Internet, auf Kult.ch und rieb ihm einen meiner Artikel unter die Nase.
„Na und? Kann doch jeder.“
„Ein Scheiss, das geht durch ein sehr strenges Auswahlverfahren.“
„Vergiss es, für dich nicht.“
„Warte schnell ich ruf den Alex an“, ich wählte seine Nummer und hoffte darauf, dass er abnehmen würde. „Bip… Bip…. unter dieser Nummer können Momentan keine Anrufe entgegengenommen werden.“ FUCK!
Ich trat bei Seite und schaute noch mal ins Bling, ob ich jemanden vom Team nochmals sehen würde. Alle abgetaucht, irgendwo in der Masse. Ich drehte mich noch mal zum Türsteher um, um einen letzten Versuch zu starten: „ Jetzt lass mich schon rein!“
„Verstehst du kein nein?“
„Ich sorge dafür, dass du gefeuert wirst, Arschloch. Du weisst ja nicht, mit wem du dich angelegt hast!“ Ich trottete entnervt Richtung Langstrasse.
Deswegen war ich nicht im Bling.
Es ist halt schon manchmal geschissen jung zu sein.
Nachfass: Das war eigentlich nur eine Geschichte, der Party zu ehren, doch ereignete sich fast genau dieser Vorfall, Henryk ist mein Zeuge, einen Monat später.
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