Man merkt ja immer erst ziemlich zäh, dass in der emotionalen Einrichtung etwas nicht mehr stimmt. Im Psychoschargon heisst das nicht mehr: „stimmig“, ein Wort, das ich ungemein eingebildet finde. Ja, auch Worte können vom Klang her eingebildet sein. Also es ist so, dass bei mir, wenn ich etwas in meinem Leben umstellen möchte, erst ein besonders schweres Möbel dran glauben muss. Dabei kann es gar nichts dafür oder steht prinzipiell schon ganz richtig. Diesmal wars ein Sideboard, gefüllt mit Büchern, das ich unbedingt um die Ecke rücken wollte. Und genau für das, so glaubte ich, brauchte ich einen Mann. Und wen straft man da gerne damit, exakt einen Ex.
Der rückte also an, rückte um, rückte ab. Ich war danach deswegen bis am Abend froh. Dann rückte ich wieder um, genau wie vorher. Es hatte also nicht am Möbel gelegen, dass irgendetwas noch nicht stimmte. Dann stand ich vor dem an der genau gleichen Stelle wie vorher seienden Sideboard und realisierte, ich hatte problemlos alleine schwer rücken können. Fürs nächste Mal merkte ich mir das. Dann hatte ich am nächsten Abend prompt eine wirklich sehr erfreuliche Begegnung. Könnte daran liegen, dass ich durch die Rückaktion grad noch ein paar Dinge weggerückt hatte, in meinem Leben. Quasi als letzten Effort. Jetzt war Platz für Neues, Sachen und Menschen.
Und als Belohnung fand ich nach Jahren der Suche – mein neues Büchergestell. Es war entrückte Liebe auf den ersten Blick! Es hatte für mich in Züri West, das mir mehr und mehr ans Herz wächst, weil alles so aufregend wild ist dort, dagestanden, ich sank vor ihm auf eine Bank, ich schaute es an, es war heiss, man gab meiner hechelnden Haushündin und mir Wasser. Und dann hatte ich so eine nette Unterhaltung mit den anwesenden Ladenbesitzern! Es war eigentlich wie in einem Woody Allen Film, direkt am Set, es kam sogar ein David herein, mit einem T-Shirt mit der Aufschrift Katz Delikatessen. Beruf Shrink. Er hätte gerne ein intern genutztes Ladenmöbel gekauft, und es entspann sich unter Beteiligung aller am Set Anwesenden ein Verkaufsgespräch, das in der reizend formulierten Weigerung von Herrn Kovacevic endete, das Möbel herauszurücken, weil man ja dann quasi auch gleich die eigene Mutter verkaufen könnte. Ich war beeindruckt.
Und während ich so zuhörte, rückte sich einiges in meinem Hirn an ganz neue Stellen, die, wie ich überrascht feststellte, von altem Krempel befreit waren, irgendjemand hatte den weggeschafft. Vermutlich ich selbst. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in Ihre neue Wohnung kommen, noch ganz leer, und dann stellen Sie nur noch rein, was Sie wirklich möchten? Also einige, wenige Dinge, die Ihnen lieb und teuer sind. Dazu etwas Neues, auf das Sie sich wahnsinnig freuen. Verheissungsvoll wäre der richtige Ausdruck dafür. Verheissungsvoll wie mein Büchergestell. Bestimmt riecht es auch noch gut, nach Metall und Holz. Und Räder hat es auch noch. Schon verrückt!
Erstes Foto, aufgenommen bei ca. 35 Grad Hitzetag: Mein neues Büchergestell, eingerahmt von Milija Kovacevic und Adil Pajaziti bei www.walterwalter.ch/ - die haben auch noch eine richtig unterhaltsame Website, kommt ja nicht so oft vor.
Und das hier, Foto (mmmhhh) und Link, musste ich Ihnen auch noch schnell zeigen: katzsdelicatessen.com/
Drittes Foti: Hier könnte man dieses Wochenende verbringen
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