Fettig rote Haare. Kleine hässliche Locken. Vergilbte Zähne von zu viel Zigaretten, Wein und den Küssen von den Pennern, die sie sitzen liessen. Mit dem Rauchen wollte sie aufhören, als sie schwanger wurde, aber der Egoismus hat ihr das Kind genommen. Das weisse Baumwollshirt aus den 80ern mit Palmen, Glitzer und der Aufschrift Karibik sei das letzte, was von ihren Träumen übrig geblieben ist. Ein typisches Stammtischweib halt. Nur ohne Gesellschaft. Das ist ok, die Anderen nutzen einen nur aus, wollen den letzten Stutz und den Funken Hoffnung, den man selbst verloren hat. Heute fürchtet sie sich nur noch vor zu viel Fett und ihrem Bauch. „Hauptsache man friert nicht“. Das Bier hat sie mittlerweile mit Whiskey getauscht. Wie heisst du? Vater bekannt? Gebildet, vergeben, Weltenbummler? Sie fragte als wär es ihr Job und ich war beruhigt, dass ich mich vor meinem Ranzen nicht fürchte. Noch nicht. Ich mochte sie. Ich konnte ihr sagen, was ich wollte. Sie glaubte, sie vertraute und lügte nicht, wenn es um die Wahrheit ging. Sie fragte mich, was mir im Leben Angst machen würde. Ich dachte zu erst an Beruf, Familie, die Reise mit Flugzeug und das schlechte Sandwich vom Mittag. Aber eigentlich wusste ich, dass ich mir wegen meiner selbst Sorgen machen musste. Darüber sagte ich ihr aber kein Wort, blieb beim Sandwich und den Flugzeugen. Ansonsten hätte sie mich der Dämonenaustreibung bezichtigt. Lange hockte ich nicht mehr bei ihr, weil sie je länger je strenger nach Schweiss roch. Vor was ich Angst hätte. Vor mir selbst. So weit war ich. Den Grund kannte ich auch. Ich hätte nämlich geheiratet. Einen Typen, ganz oke, mit dem man sich arrangiert, weil es mit 40 dann irgendwann zu spät wird. Kinder will schliesslich jeder, weil alleine sterben keinen Sinn macht. Ich hätte 2 an der Zahl, ob Mädchen oder Junge. Egal. Hauptsache glücklich. Wie ich. Aber dann würd ich beim Posten plötzlich den einen da sehen, den ich von früher kannte, schon immer wollte, vermisste und nie vergessen konnte. Wir hätten uns gegrüsst, uns was übers eigene Leben erzählt ohne wirklich was davon wissen zu wollen. Man steht einfach da, sieht sich an, anders als andere, weil man denkt sich zu kennen, und kämpft mit einem Herz, das zu schnell schlägt. Wir würden uns wieder treffen. Und wieder. Wir würden viel lachen und nichts dabei denken. Und weil wir es noch nie hingekriegt haben, uns noch nie berührt, geküsst, gehasst und wieder geliebt haben, stell ich mir wirklich, wenn auch nur für eine Sekunde, vor, es jetzt zu versuchen. Jetzt, wo ich Mann und Kinder hab, die glücklich sind. Dieser flüchtige Gedanke macht Angst. Weil ich alles aufs Spiel setzen würd, für etwas das längst vergangen ist. Und dann wäre ich wie sie, das Stammtischweib. Deren Egoismus die Kinder gefressen hat.
Wie alt man im Kindergarten ist, weiss ich nicht so genau. Vielleicht 4 oder 5. Oliver hat mich dort geküsst, zum ersten Mal und dann nie wieder. Aber das war ok, wir waren ja zusammen, ein Paar, jung und unglaublich dumm, und taten das, was man so im... [Weiterlesen]
Da lag ich also. Auf dem Bett, das schon seit Jahren meines war, in einem 4-Eck Zimmer, das ich kannte, aber das irgendwie weg und in einem anderen Universum stand. Die Wände, klinisch weiss und sauber. Das ganze Zimmer war so, farblos und blass. Kein Licht.... [Weiterlesen]
Es gibt ja im Moment genug Veganer. Zumindest so viele, dass auch ich welche kenne, die diesem Lebensstil huldigen. Ich bin also so beim Tiergeschäft vorbei, schliesslich möchte ich mir einen Hasen kaufen. Eigentlich werde ich das sicher nicht tun, weil ich... [Weiterlesen]
Ich fickte ihn. Ich fickte ihn so hart, dass die Tasse auf dem Holztisch von Herrn Oskar vibrierte. Herr Oskar war mein steinalter Nachbar, der für viele eigentlich schon tot war. Obwohl ich es nicht Zuhause trieb, vibrierte sie. Den, den ich fickte kannte... [Weiterlesen]
Und wieder, die gleiche Scheisse mit den Männern. Denen ist u schnell alles scheissegal. Frauen sind labil und machen sich zu viele Gedanken über das, was den Männern so schnell scheissegal geworden ist. Er ruft nicht an, ich frag mich, ob es wegen den... [Weiterlesen]
Ich wusste nicht, ist das gut, ist das schlecht. Es wurde mir ja nicht ins Gesicht gesagt. Nicht direkt. Ich hab’s nur gehört. Von hinten. Ich konnte mir unmittelbar darauf auch noch keine Gedanken darüber machen, weil ich zu schön betrunken war und... [Weiterlesen]
Das letzte halbe Jahr hab ich mich vergessen. War überall dort, wo ich nie hätte sein sollen, mit Menschen, die ich auf diese Art nicht hätte kennen lernen wollen. Ich hab wohl zu viel geküsst. Hab zu oft einfach mal meine Nummer gegeben um schnell... [Weiterlesen]
Scheisse, wenn man sich eingestehen muss, dass er auch ohne einen glücklich wird. Die guten Leute um einen herum haben es einem ja schon lange zu verstehen gegeben, daran glauben wollte man nie und man setzte einmal mehr aufs Schicksal, das noch alles so... [Weiterlesen]
Ich wollte nur kurz weg, die Welt erobern, irgendwo im Norden, wo mich noch niemand kannte und es nie jemand tun sollte. Irgendwann, da hat einen die Stadt ausgesaugt, von der man dachte, sie wäre die einzige, die man jemals lieben würde. Nicht man selbst... [Weiterlesen]
Sitze also im Tram Nummer 3 und Zürich kommt mir wieder so verdammt lange vor. Jetzt stellt euch mal vor, ich kotz jetzt hier mal schnell hin, nicht irgendwas, sondern meine gefressenen Haare oder noch besser das Herz. Und es würde dann da zwischen blauem... [Weiterlesen]