Gestern war ich im Kino. Ich lachte den ganzen Film hindurch so fest, dass meine Rippe noch weher tat. Die hatte ich angebrochen hatte, weil, aber das ist eine andere Geschichte... Der Film hiess übrigens „2 Days in New York“ und erzählt die Geschichte eines französisch-amerikanischen Familienbesuches, der wegen aller der daran Beteiligten grauenvoll ausartet. Zum Beispiel rissen sich die zwei ungleichen Schwestern beim Pommesfrittes-Essen vor aller Augen an den Haaren. Ich amüsierte mich köstlich, weil ich all sowas in echt kenne.
Meine Sitznachbarin sass derweil höchst not amused neben mir. Bevor der Film anfing, hatten wir noch eine kleine Unterhaltung, die etwa so ging: Ich habe grad über meine verschwundenen Affären geschrieben. Sie: Aber doch so, dass die sich nicht wiedererkennen? Ich: Wieso? Sie: Wegen der Privatsphäre. Ich: Die sind höchstens beleidigt, wenn man sie nicht wiedererkennt. Ausserdem Satire darf alles. Sie: Nein. Ich: Doch, die ganze Weltliteratur dreht sich doch auch nur um Liebe, Hass, Essen und Rache, siehe Shakespeare. Sie: Es gibt auch noch andere Themen, zum Beispiel: Gerechtigkeit. Ich: Die dann erst mal durch Liebe, Hass, Essen und Rache wiederhergestellt werden muss. Sie (strafende Blicke), geht ab aufs Klo.
Den Film verfolgen wir vom Rand aus, sie hat Platzangstphobie. Verursacht durch das Verdrängen von Liebe, Hass und Rache, wie ich heimlich denke. Eine Andere findet denselben Film auch „nervig“: Du hast dich sicher so amüsiert, weil du unter Schmerzmitteln standest, sagt sie. Ich: Quatsch, weil es darin so zugeht, wie es eben bei denen zugeht, die wirklich leben und bei denen drum fast alles schiefgeht. Mein Leben ist eben wie ein fettiges Pomme Fritte. Nur bei denen, die nicht leben, geht alles unfrittiert zu, bis ins Grab. Fad. Wenn auch hin und wieder beneidenswert fad.
Generell frage ich mich, wieso noch solch gute (französische) Filme gedreht werden, wenn es doch heutzutage ja soviele Leute gibt, die dank ihrer Verklemmtheit und Verstopftheit - solche Leute sind ja meist stark verstopft – ein natürlich viel normaleres Leben führen, und solche Filme, in denen völlig abwegige Sachen vorkommen, die mir ständig passieren, dann total daneben finden und schon gar nicht verstehen. Und dann sitzt man im schlimmsten Fall im Kino neben denen und muss deren wabbernde Wohlanständigkeit volle 90 Minuten lang aushalten.
Aber gottlob nicht weniger und nicht mehr, denn sie erkennen sich in solchen Kolumnen sofort wieder und sind empört, und dann sieht man sie auch gottlob nie mehr wieder. Satire darf und kann eben alles!
Fotis: In 2 Days in NY gibt's jede Menge Nigger, Juden, Frenchies, Nymphomaninnen, einen schmuddligen Opa, dealende Goofen und Würste jeder Grösse
Noch mehr auf französisch? Charlotte Gainsbourg, Actrice und Sängerin, an diesem Freitag im Kaufleuten, Züri: hier das hors d’ouevre:
www.kaufleuten.ch/event/konzert-charlotte-gainsbourg/?gclid=CIj4i_Lti7ACF UVc3wod-BoTqw
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