Dr. Petros Beobachtungen:

Mittwoch, 9. Mai 2012, 10:30 | Von Dr. Henrik Petro

Die Nacht der dreizehn verpassten Chancen

Diese Geschichte wird die Herren der Schöpfung in zwei Lager spalten. Die eine Hälfte murmelt: „Oh, ich weiss genau, was er meint!“. Die andere Hälfte grunzt: „Hä? Ich habe keine Ahnung, wovon er da redet.“ Aber war es so nicht schon immer?

Am Freitag, 4. Mai, hatte nicht nur meine Mutter Geburtstag, sondern ich am Abend auch noch repräsentative Pflichten zu erfüllen, nämlich als Vertreter unseres Verlags ans Dinner des Love Ride Zürich zu gehen. Weil ich als absoluter Rookie nicht entscheiden konnte, an welchen Tisch ich mich setzen sollte, wurde ich gleich an den Presidents Table platziert. Das war natürlich äusserst cool und kaum zu toppen – und klarer hätte diese Botschaft an mich nicht sein können. Ich hätte danach also mit gutem Gefühl nach Hause gehen sollen. Das tat ich natürlich nicht. (Verpasste Chance #1).

Nein, statt dessen machte ich noch einen Abstecher in den Kreis 5, da ich doch mal eine dieser legendären Eis Tiger Sausen an/in der Amboss-Rampe von Nahem sehen wollte. Dort angekommen, fiel mir als erstes auf, dass mein zwei Tage alter Bart mindestens eine Woche zu jung war, um sich unauffällig und nahtlos in die Herde einfügen zu können. Ausserdem war ich totally overdressed: ich hätte einfach die Sachen anziehen sollen, die ich nicht mal mehr der Caritas-Sammlung zumuten konnte, sondern nur (noch) zum Schlafen trage. Und auch dann hätte ich sie eine Woche lang zuunterst im Waschkorb verstaut haben müssen, damit sie genau so zerknittert aussehen wie das Zeugs, das die Jungs da trugen. Kurzum: ich hätte gleich wieder einen Abflug machen sollen. (Verpasste Chance #2).

Doch dann stach inmitten dieser Ansammlung verwilderter Kriegsheimkehrer aus Stalingrad ein Mann heraus, ein Leuchtturm der Hoffnung, die Inkarnation von Coolness – nein, nicht Barney Stinson, sondern dessen Vorbild: Midi Gottet! Ein Gradmesser, an der richtigen Party zu sein (zumindest für jemanden in meinem Alter). Also beschloss ich, auf ein Bier zu bleiben. Nur: dass ein so welt- und lebenserfahrener Mann wie Midi nach wenigen Minuten wieder verschwunden war, hätte mir zu denken geben sollen. Tat es aber nicht. (Verpasste Chance #3).

Ich stürzte mich also ins Getümmel mit zu diesem Zeitpunkt starken Männerüberschuss (leider fast alles hochgewachsene, durchtrainierte Eishockeyaner) in Richtung Bar. Dabei traf ich auf „meinen Mann im Team“ Mike, der mir gleich einen Becher Bier in die Hand drückte. Das war ja schön und gut, hatte ich ihn doch schon länger nicht mehr gesehen, als eine nackte Frau – und das war sicher nicht im 2012! – aber ich hätte nach diesem Bier aufhören sollen. Denn ich weiss doch allzu genau, dass Alkohol seltsame Dinge mit mir anrichtet. Zum Beispiel mich vergessen lässt, dass ich mir mein Leben ganz gut eingerichtet, den Frieden mit mir selber gefunden habe und als Single im Grossen und Ganzen zufrieden bin. Aber nein, ich bestellte trotzdem ein zweites Bier. (Verpasste Chance #4).

Dem zweiten Bier folgte ein Drittes und vielleicht auch noch ein Viertes. Inzwischen war ich zwar a) der Ansicht, dass ich durchaus wieder ready war, mich ernsthaft auf eine Frau einzulassen (oder dass zumindest wieder einmal Sex zu haben etwas Wunderbares sein könnte – der Beweis, wie gefährlich die Droge Alkohol tatsächlich ist!) und b) dass es gar nicht mehr so viele Männer hier hatte, ich also durchaus auch Chancen darauf hätte (wäre ich nicht Ich). Nur hatte ich c) mit dem Bier auch das kleine Bisschen Eloquenz runtergespült, die ich mir selber zuschreibe und die mir geholfen hätte, jemanden anzuquatschen. Das Kopfkino lief auf vollen Touren, die Zunge aber streikte. Ich konnte nur versagen (so zumindest Stimme des kleinen Saboteurs in meinem Kopf). Ich hätte also bei dieser Erkenntnis wirklich einfach nach Hause gehen sollen. (Verpasste Chance #5).

Da lief ich der Ex eines alten Freundes über den Weg, die schon immer die Lufttemperatur um 10 Grad erhöhte, wenn ich neben ihr stand (wie macht sie das nur?). Und sie sah auch heute wieder Bombe aus (Memo an mich selber: Bier schlägt Photoshop). Wir redeten und sehr rasch platzierte sie den Satzteil „...ich als Single...“, ohne dass ich Massnahmen ergriff (Verpasste Chance #6) und „... ich höre mit dem Rauchen auf, wenn ich schwanger bin.“ Ich ehrlicher Idiot schiesse mir darauf hin sofort selber in beide Knie, indem ich erwidere: „Ich habe mit meinen zwei Kindern die Familienplanung für mich eigentlich abgeschlossen.“ (Verpasste Chancen #7 + 8 – doppelt gezählt, weil doppelt schwerwiegend. Dabei hätte ich wahrscheinlich nur das Wort „eigentlich“ anders betonen müssen).

Fünf Minuten später jedenfalls flirtet sie intensiv mit einem Blondino, der – das konnte jeder erkennen, der irgendwie noch bei Trost war – sicher Vieles wollte, aber ganz sicher nicht Vater werden in nächster Zeit. Warum musste ich immer so ehrlich sein? Ich fand mich gerade so zum kotzen, dass ich den säuerlichen Geschmack mit einem weiteren Bier runterspülen musste. Anstatt nach Hause zugehen (Verpasste Chance #9).

Und dann – es war inzwischen fast drei Uhr früh - bemerkte ich diese toll aussehende, kleine Dunkelhaarige – alleine für sich am Tanzen. Ich hatte sie schon oft gesehen, hatte aber keine Ahnung, wie sie hiess. Schaute sie zu mir rüber? Oder war sie ein DJ-Groupie? Egal, ich hätte einfach ohne lange nachzudenken rübergehen und mit ihr zu reden anfangen sollen. Habe ich es gemacht? Natürlich nicht! (Verpasste Chance #10).

Ich hätte auch einfach Mike neben mir, der wirklich jede und jeden kennt, fragen können: „Du, die da hinten, wer ist das?“ Hab ich aus mir nicht mehr in Erinnerung rufbaren Gründen aber nicht getan. (Verpasste Chance #11).

Es ist das Tempo, Jungs! Dieses ruck-zuck-jetzt-sofort-auf-sie-mit-Gebrüll-Tempo im Ausgang, das nicht meins ist, oktroyiert durch die Umstände, die in der Natur einer Party liegen. Trotzdem griff ich mir endlich ein Herz und wollte grad zu ihr rüber, als mich ein kräftiger Arm um die Schulter packte. Der Arm gehörte zu einem grinsenden, bärtigen Gesicht. Und das Gesicht gehörte Seigi. Und wenn man von Seigi gedrückt wird, dann stellt man alles andere hinten an. Als Seigi dann irgendwann nach gefühlten 30 Sekunden seine Knuddelattacke beendet hatte war sie – weg! (Verpasste Chance #12).

Auf dem Heimweg fragte ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, statt an die Eis Tiger Party ins Kaufleuten zu gehen, wo Rö mir irgendwelche Bändeli hinterlegt hatte. Im Ungewissen liegt die Versuchung des Schönredens. (Verpasste Chance #13).

Tja, so war das Leute. Früher, als ich wirklich oft im Ausgang war, hätte mich das nicht weiter beunruhigt. Doch heute, wo ich meine Ausgangsfrequenz an die Quartalsinfos der Credit Suisse gekoppelt habe, konnte es womöglich Jahre dauern, bis ich ihr wieder über den Weg lief. Das Doofste ist dann aber zuhause im Bett, wenn man sich den Abend nochmals vor dem inneren Auge abruft und all die verpassten Chancen in aller Deutlichkeit sieht. Und weiss: wenn das im Mikrokosmos einer Nacht passiert, so lässt sich das sicher auch im Grossen auf sein ganzes Leben übertragen.

Midi Gottet | Mittwoch, 9. Mai 2012, 10:43
Danke für die positive Erwähnung meiner Person in ihrer herrlichen Kolumne.
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Dienstag, 21. Mai 2013, 07:40 | Von Dr. Henrik Petro

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„Mist, ich muss mich im Datum geirrt haben, hier findet die Credit Suisse Senior Manager Veteranenversammlung statt“, dachte ich zunächst, als ich am 17. Mai beim Eingang zum Supermarket auf die wartende Crowd stiess und die Senioren im Anzug studierte.... [Weiterlesen]

FräWeissberg | Dienstag, 21. Mai 2013, 10:02
Aber du hast zugegeben,Omas Hormocenta seit frühester Jugend aufzutragen, gäll?
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Mittwoch, 15. Mai 2013, 07:58 | Von Dr. Henrik Petro

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Dienstag, 7. Mai 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

20 Fragen zu deinem Leben, die du dir täglich stellen solltest

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Freitag, 26. April 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

Verkehrskollaps

Am Sonntag auf der Axenstrasse... Er: «Scheiss Stau...» Sie: «Entspann dich doch!» Er: «Ja wie denn, mit einem Ständer in der Hose?!» Sie: «Ui – ich sehs!» Er: «Schatz, mach was, ich halts fast nicht aus.» Sie (lüstern): «Okay Schatz...... [Weiterlesen]

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Montag, 8. April 2013, 08:09 | Von Dr. Henrik Petro

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Dees | Montag, 8. April 2013, 09:25
Endlich mal eine anständige Ansage Herr Petro. Ich kann diese Meinung nur unterstützen. Als halbdeutsche Schweizerbürgerin (Vaterseits) fände ich es jammerschade wenn die Deutschen abzotteln. Nur unter Schweizern zu leben, wäre echt anstrengend und öde.
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Dienstag, 2. April 2013, 07:55 | Von Dr. Henrik Petro

Anleitung für ordnungsgemässes Verhalten vor, während und nach der Sommerzeitumstellung

1. Die Uhr wird in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag vorgestellt. Das geht dann so: «Darf ich vorstellen? (Name einsetzen), das ist Uhr; Uhr, das ist (Name einsetzen).» 2. Der Moment, in dem die Uhr vorgestellt wird, ist – wie der schmale... [Weiterlesen]

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Donnerstag, 21. März 2013, 14:00 | Von Dr. Henrik Petro

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Montag, 18. März 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

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Midi Gottet | Montag, 18. März 2013, 13:10
Poetry-Slam Dunk! (Weibisches Jubelgekreische) Es lebe die Kunst!
Fr. Weissberg | Montag, 18. März 2013, 21:45
Wow Herr Petro, in Ihnen schlummert ein Homer!
Hansi | Montag, 18. März 2013, 23:54
Entzückend!!
FrauFrei | Mittwoch, 20. März 2013, 21:16
neues hobby für mich erfunden... "zeitungsartikel übersetzen". grossartig.
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Mittwoch, 6. März 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

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Dienstag, 12. Februar 2013, 14:30 | Von Dr. Henrik Petro

ladri di biciclette oder: wenn das linke Auge nicht denkt, was die rechte Gehirnhälfte sieht

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