Dr. Petros Beobachtungen:

Freitag, 20. Juli 2012, 12:22 | Von Dr. Henrik Petro

Best of Ferienkolumnen: Eifach gruusig!

Wie jeden morgen sass ich auch heute wieder friedlich im Stau auf der Bullingerstrasse und untersuchte meine Popel nach Grösse, Konsistenz und Haptik, als ich auf die Spur neben mir blickte. Eine Frau blickte mich entsetzt an, verzog angewidert das Gesicht und zündete sich eine Zigarette an. Als sie den ersten Rauch ausblies, murmelte sie «eifach gruusig!» - seit meiner Weiterbildung 2002 zum CAS Mossad-Agenten beherrsche ich nämlich das Lippenlesen (mir fehlen nur noch zwei Sabotageakte und das Aufspüren eines noch lebenden Naziverbrechers in Südamerika und dann kann ich eine Masterthesis schreiben).

Ich liess die Scheibe runter und rief «selber gruusig!» rüber. Sie blickte mich unverständig an. Ich äffte ihr nervöses Rauchen nach. Das fand sie nun gar nicht lustig und liess ihrerseits die Scheibe runter. «Hey weisch was?!» rief sie scharf. «Hey weisch was?!» äffte ich sie weiter nach. «Jetzt langt’s!» sagte sie, stellte den Motor ab, stieg aus und kam an mein Fenster. «Das gaht dich doch en Schiissdräck a, ich chan i mim Auto mache, was ich will!»
«Aha», rief ich zurück.
«Was, aha?»
«Und ich nöd? Du blödi Chueh!» Letzteres hätte ich mir vielleicht sparen sollen, denn nun wurde die Dame richtig sauer.
«Arsch!» sagte sie nur, zückte ihren Schlüssel und ging zu ihrem Auto zurück, nicht ohne dabei einen hässlichen, fetten Kratzer auf meinem 8-Schichten Changing-Colors-Speziallack zu hinterlassen. Das hätte sie nicht tun sollen!

Die Ampel schaltete bereits zum dritten Mal auf grün. Die Autofahrer hinter uns hupten genervt. Das ging mir am Arsch vorbei. Ich griff in das Handschuhfach und holte mein Jagdmesser – ein Gerber Steadfast –heraus und stieg aus. Sie hatte sich soeben wieder hinter ihr Steuer gesetzt. Doch ihr triumphierendes Grinsen gefror zu einer panischen Fratze, als sie mich mit dem Messer auf sie zukommen sah. Sie startete den Motor. Sie hätte auch rechtzeitig wegfahren können, wenn sie nicht vergessen hätte, die Kupplung zu drücken. So brachte sie den Gang nicht rein («Kcchhrr! Kkkchhhrrr!» tönte es) und dann war es eh zu spät.
«Nimm das, du Häx!»Zack! Zssschhh..! Ihr linker Vorderreifen war platt. Ich lief ums Auto herum, um den anderen Reifen ebenfalls aufzuschlitzen und warf dabei einen Blick auf ihr Nummernschild. «Soso, da in Züri eine uf dicki Hose mache, aber sälber nume e beschisseni Aargaueri!» Zack! Zssschhhh…
«Seit grad de rächt mit sim Buuredialäkt! Schiisstooaaagauer!» Sie war inzwischen ausgestiegen und hinter ihrem Kofferraumdeckel verschwunden. «Ha!» hörte ich sie jubeln. Sie klappte den Deckel zu und hielt ein Drehkreuz in die Höhe. Ihre Augen funkelten gefährlich. Mir schwante Böses.

«Aaaahhh!» schrie sie hysterisch und lief auf mein Auto los. Mit voller Kraft liess sie das Drehkreuz mehrfach auf meine Windschutzscheibe knallen, die sich sofort in Tausend Splitter teilte, die nur noch durch die Sicherheitsfolie zusammengehalten wurden. Mein Unterkiefer klappte nach unten.

Das war nun definitiv ein Act of War! Ich öffnete die Türe meines misshandelten Autos, griff unter den Sitz und holte meine Walther P38 hervor, die dort für absolute Notfälle mit einem Klettverschluss befestigt bereit liegt. Als ich mich wieder auf das andere Auto zu bewegte, rief einer der vielen Schaulustigen, die sich inzwischen um uns versammelt hatten: «Er hät e Knarre!» Schreiend stoben die Gaffer auseinander. Nur die Frau blieb zitternd stehen und hob das Drehkreuz gegen mich, als wäre ich so ein gottverdammter Vampir. Ich hingegen hob unbeeindruckt meine Walther und zielte. «Neiii!» rief sie flehend. Doch das hätte sich die Kuh früher überlegen sollen. Pamm! Pamm! Pamm! Volltreffer! Der Motor gurgelte, stotterte und starb ab. Aus den drei neuen Löchern auf der Motorhaube entwich zischend Dampf, unter dem Auto bildete sich eine Lache.

«Neieiei!» schluchzte sie, fiel auf die Knie und lehnte ihren Oberkörper ans Auto. «S’Leasing isch nöd emal zur Hälfti ume gsihihi!» Ein kurzer Moment des Mitleids überkam mich, doch ich schüttelte ihn geschickt ab. Ich sicherte die Walther, drehte mich um und ging zu meinem Auto zurück.

«So eifach chumsch mir ned devo!» Ihre Stimme klang, als könnte ihr nur noch ein Exorzist helfen. Ich drehte mich um und sah gerade noch, wie sie auf eine Strassenwalze sprang, die gerade das Trottoir planierte. Sie versetzte dem verdutzten Bauarbeiter einen Kinnhaken und stiess ihn von der Walze. Er landete in einem Sandhaufen, wo ihm auch dank seines Suva-Helms nichts geschah. Die Frau kurbelte so lange am Lenkrad, bis die Nase der Walze direkt auf mein Auto zeigte. «Jetzt bisch fällig!» zischte sie zwischen ihren fest aufeinander gebissenen Zähnen hindurch, drückte voll aufs Gas und beschleunigte das Ungetüm auf waghalsige 7 km/h.

Panisch entsicherte ich meine Walther wieder, zielte auf die Walze und drückte ab. Doch eine Kugel nach der anderen prallte an dem Ungetüm ab, bis mich das Klick! Klick! Klick! Darauf aufmerksam machte, dass das Magazin leer geschossen war. Verzweifelt nahm ich den Lauf in die Hand, um die Walther zu werfen und hatte dabei völlig vergessen, dass er so heiss wie ein Bügeleisen war. «Aua! Autsch!» rief ich, bevor ich die Walther nach vorne schleuderte. «Hahaha!» lachte die Frau, bis die Walther sie am Kopf streifte, auf dem – obwohl die Suva es eigentlich auch für Walzenfahrer vorschrieb – kein Helm war. Ihr «Auaaa!» ging aber unter dem lauten Geschepper und Geknarre unter, als die Walze mein Auto unter sich begrub und flacher machte als ein Topmodell aus Paris.

Schöne Scheisse. Ich konnte nicht einmal im Geschäft anrufen um zu sagen, dass es heute etwas später werden würde. Denn mein Handy war im Auto. Das würde wohl einen ziemlichen ZS vom Chef geben. Erschöpft und lädiert lehnten sich die Frau und ich an ihr Auto. «Mir händ glaub es bitz übertribe», stöhnte ich. Sie nickte nur. «Das liit sicher a däre Hitz!» fuhr ich fort. Sie nickte erneut, hielt mir zitternd ihr zerknautschtes Zigarettenpäckchen entgegen und fragte röchelnd: «Wotsch eini?» Ich nickte, klaubte eine Fluppe heraus und steckte sie mir in den Mund. Nachdem sie mir Feuer gegeben hatte, nahm ich einen tiefen Lungenzug und genoss das Nikotinflash, das mich nach so langer Zeit wieder einmal erfüllte. Eigentlich wollte ich dann noch – mehr rhetorisch – fragen, ob das wohl Benzin gewesen sei, das unter ihrem Auto ausgelaufen war. Aber diese Frage beantwortete sich dann gleich von selbst.

Weissberg | Freitag, 23. Juli 2010, 17:51
Hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahah!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Kholerius | Freitag, 23. Juli 2010, 19:12
kann autofahren wirklich so schön sein?!
lilith | Samstag, 24. Juli 2010, 08:41
I liiiiiike!!!
Brige | Freitag, 20. August 2010, 08:45
toll. aber schlecht recherchiert. eine aargauerin würde NIE UND NIMMER "nöd" sagen!
rainer kuhn | Freitag, 20. August 2010, 12:05
kult? recherchieren? hä?
Thomas H | Freitag, 20. Juli 2012, 14:25
Herrlich! :-)
gäse | Freitag, 20. Juli 2012, 14:35
made my day!
h. trup | Freitag, 20. Juli 2012, 16:45
nice story.... :)
Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Dienstag, 21. Mai 2013, 07:40 | Von Dr. Henrik Petro

Live at the Roxy

„Mist, ich muss mich im Datum geirrt haben, hier findet die Credit Suisse Senior Manager Veteranenversammlung statt“, dachte ich zunächst, als ich am 17. Mai beim Eingang zum Supermarket auf die wartende Crowd stiess und die Senioren im Anzug studierte.... [Weiterlesen]

FräWeissberg | Dienstag, 21. Mai 2013, 10:02
Aber du hast zugegeben,Omas Hormocenta seit frühester Jugend aufzutragen, gäll?
Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Mittwoch, 15. Mai 2013, 07:58 | Von Dr. Henrik Petro

Wahlfang, Teil 1

Neulich erzählte mir eine Bekannte, wie sie zu ihrem Töff gekommen ist. Und zwar so: Sie habe sich für diese Entscheidung Zeit gelassen, Unterlagen gesammelt, sich über Leistung, Ausstattung und Preis informiert, alles miteinander verglichen und sich... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Dienstag, 7. Mai 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

20 Fragen zu deinem Leben, die du dir täglich stellen solltest

Ist es Liebe – oder wieder nur dein Helfersyndrom? Wann warst Du das letzte mal glücklich? Ist es Liebe – oder deine Angst, alleine zu sein? Kannst Du überhaupt glücklich sein? Ist es Liebe – oder das befriedigende Gefühl, Macht über... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Freitag, 26. April 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

Verkehrskollaps

Am Sonntag auf der Axenstrasse... Er: «Scheiss Stau...» Sie: «Entspann dich doch!» Er: «Ja wie denn, mit einem Ständer in der Hose?!» Sie: «Ui – ich sehs!» Er: «Schatz, mach was, ich halts fast nicht aus.» Sie (lüstern): «Okay Schatz...... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Montag, 8. April 2013, 08:09 | Von Dr. Henrik Petro

Deutsche, hiergeblieben!

Okay, der Titel wirkt jetzt schon etwas harsch. Ursprünglich wollte ich «Liebe Deutsche, bitte bleibt hier!» schreiben, so typisch schweizerisch eben. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Botschaft so bei der Zielgruppe besser ankommt. (Der... [Weiterlesen]

Dees | Montag, 8. April 2013, 09:25
Endlich mal eine anständige Ansage Herr Petro. Ich kann diese Meinung nur unterstützen. Als halbdeutsche Schweizerbürgerin (Vaterseits) fände ich es jammerschade wenn die Deutschen abzotteln. Nur unter Schweizern zu leben, wäre echt anstrengend und öde.
Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Dienstag, 2. April 2013, 07:55 | Von Dr. Henrik Petro

Anleitung für ordnungsgemässes Verhalten vor, während und nach der Sommerzeitumstellung

1. Die Uhr wird in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag vorgestellt. Das geht dann so: «Darf ich vorstellen? (Name einsetzen), das ist Uhr; Uhr, das ist (Name einsetzen).» 2. Der Moment, in dem die Uhr vorgestellt wird, ist – wie der schmale... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Donnerstag, 21. März 2013, 14:00 | Von Dr. Henrik Petro

She's back!

Entwarnung! Aufatmen! Champagner aufmachen! Kerze anzünden! Das nächste Kind nach ihr benennen – selbst wenn es ein Junge wird! Und sich jetzt schon mal in höchster Extase laut stöhnend einen run- den Kuchen backen! Die Befürchtung, dass unsere... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Montag, 18. März 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

Singles sind wie Geisterschiffe

Neulich, okeh, es ist schon eine Weile her, jedenfalls stiess ich in meinem Lieblingsfeuilleton auf diesen Text: Geisterschiff droht an Irlands Küste zu zerschellen Eine Verkettung von unglücklichen Manövern führt zu der kuriosen Situation, dass ein... [Weiterlesen]

Midi Gottet | Montag, 18. März 2013, 13:10
Poetry-Slam Dunk! (Weibisches Jubelgekreische) Es lebe die Kunst!
Fr. Weissberg | Montag, 18. März 2013, 21:45
Wow Herr Petro, in Ihnen schlummert ein Homer!
Hansi | Montag, 18. März 2013, 23:54
Entzückend!!
FrauFrei | Mittwoch, 20. März 2013, 21:16
neues hobby für mich erfunden... "zeitungsartikel übersetzen". grossartig.
Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Mittwoch, 6. März 2013, 11:00 | Von Dr. Henrik Petro

Brave New World

Liebe Novartis Jetzt, wo Daniel Vasella in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten ist, geht vielleicht etwas. Weil, die vielen Briefe, die ich Herrn Vasella geschrieben habe, wurden bisher nie beantwortet – vielleicht sind sie auch nur irgendwo stecken... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht
Dienstag, 12. Februar 2013, 14:30 | Von Dr. Henrik Petro

ladri di biciclette oder: wenn das linke Auge nicht denkt, was die rechte Gehirnhälfte sieht

Sehr geehrter Herr Dr. XXXXXXX Gemäss unserem heutigen Telefongespräch sende ich Ihnen hiermit ein Beispiel für meine neocorticale Hyperaktivität. Wie gesagt, ich kann nicht anders, als gedanklich ständig dumme Pointen zu setzen, insbesondere bei... [Weiterlesen]

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht