Wer nicht nordwärts fährt, fährt südwärts und das mit Begeisterung in den Spreewald. Der Spreewald ist sowas wie Venedig unter Bäumen. Strassen gibt es da nur rudimentär, alles erfolgt auf dem Flussweg. Sogar die Post wird per Kahn ausgeliefert und verschwindet in schnuckligen Postkästen, die allerorts am Flüsschen stehen.
Osterausflügler im Pensionsalter werden in Touri-Kähnen über das weite Flussnetz bugsiert. Am Bug steht in strahlendem Glanz eine schön in Tracht geputzte Spreewälderin, die das Gefährt sicher durch die seichten Gewässer stakt.
Der Berliner kann angesichts solcher Fortbewegungsmittel nur lächeln. Er ist immer bestrebt, es den Einheimischen möglichst gleich zu tun. Und da die Spreewälder ihre Nachbarn nunmal per Paddelboot besuchen, mietet er sich ebenfalls ein solches Gerät. Damit paddelt er dann schnurstracks und kreuz und quer zwischen Lübbenau und Lehde umher, sich ob der frischen Luft und der körperlichen Betätigung in Bestlaune befindend.
Zwischendurch wird in einem der zahlreichen Gasthöfe angelegt. Die tragen dann Namen wie "Zum fröhlichen Hecht" und da weiss man gleich, was einen erwartet. Nach dem Genuss von frischem Fisch müssen die berühmten Spreewaldgurken frisch aus dem Fass herhalten. Für Zuhause landen noch ein paar Gläser davon im Gepäck und man freut sich schon, sie in Erinnerung an das Osterwochenende genüsslich zu verschnabulieren.
Nach einem langen Paddeltag und den mittlerweile eingetretenen Bedenken, ob man seine Arme je wieder dem normalen Gebrauch wird zuführen können, gibt es Berliner Weisse mit Schuss - in rot oder grün. Das ist sozusagen das Spreewälder Paddelpflichtgetränk. Nachdem man sich, seine Behausung und seine Begleitung schlussendlich mit genügend Mückentötolin eingenebelt hat, kann man geruhsam entschlummern. Denn mangels Autolärm ist es im Spreewald herrlich ruhig.
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